Zulassung zum Masterstudium – Chaos auf breiter Front

Gut gemeint war es ja, den Hochschulen einige Freiheiten bei der Auswahl der Studenten für das Masterstudium zu gewähren. Bewährt hat es sich allerdings nicht, der Weg in den Hörsaal führt immer häufiger durch den Gerichtssaal. Im Kern geht es um die Frage, ob Studenten sich bei der Zulassung zum Masterstudium in gleicher Weise auf das grundgesetzliche Recht der freien Wahl der Ausbildungsstätte berufen können, wie bei Beginn des Studiums.

Kurz und knapp: Gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Studienplatz im Masterstudium? Klar ist der Fall bei der Aufnahme eines Erststudiums. Hier darf jeder studieren, was er will. Zulassungsbeschränkungen sind nur zulässig, wenn die aus Kapazitätsgründen unvermeidbar sind und die Auswahlregeln klar festgelegt sind. Klar ist der Fall ebenfalls bei der Promotion. Hier haben die Lehrstuhlinhaber nahezu unbegrenzte Freiheit, einen Doktoranden anzunehmen oder abzulehnen. Aber wo sortiert sich die Zulassung zum Masterstudium in diesem Spektrum ein?

Unklare Haltung der Politik

Ganz widerspruchsfrei ist die Haltung der Politik nicht. Formal scheint man hier den Standpunkt einzunehmen, dass der Bachelorabschluss der eigentliche berufsqualifizierende Abschluss sei, alles weitere sei eine Zugabe, auf die kein Rechtsanspruch bestehe. Dem steht allerdings entgegen, dass die höhere Laufbahn im öffentlichen Dienst Master Absolventen vorbehalten ist. Ohne Zulassung zum Masterstudium ist der „freie und gleiche Zugang zu öffentlichen Ämtern“ eine bloße Fiktion, allerdings eine von Verfassungsrang. Auch die Unis selbst sind vom Bachelorabschluss alles andere als überzeugt, zumindest sehr viele. Prof. Lenzen, Präsident der Uni Hamburg, spricht beispielsweise von „eine(r) Art Vorprüfung, aufgewertet um die Möglichkeit, mit diesem Abschluss auszusteigen“. Und die Bachelor Absolventen sind für ihn „die, die aus dem System herausfallen“. Seine Forderung lautet daher, dass jeder Absolvent die Möglichkeit haben muss, einen Masterabschluss zu machen.

Gerichte stoppen die Universitäten

Universitäten denken sich zunehmend abenteuerliche Zulassungsverfahren aus. Manchmal müssen Bewerber um einen Studienplatz im Masterstudium Motivationsschreiben einreichen, andere Unis laden zu Vorstellungsgesprächen in Arbeitgebermanier ein, wieder andere führen ganze Assessment-Center durch. Teileweise denken sich die Universitäten auch so spezielle Anforderungen an die nachzuweisenden Vorkenntnisse aus, dass nur eigene Bachelor Absolventen sie erfüllen können. Und allesamt werden sie von den Gerichten in die Schranken verwiesen, wenn abgelehnte Studenten gegen ihre Ablehnung klagen. Sämtliche bislang mit solchen Verfahren befassten Gerichte sind zu der Auffassung gelangt, dass Universitäten sich bei der Vergabe der Masterplätze nicht dieselben Freiheiten nehmen dürfen, wie ein Arbeitgeber bei der Besetzung freier Stellen. Objektive Kriterien müssen her, die einen chancengleichen Zugang für alle Bewerber gewährleisten. Allzu groß ist die Auswahl an geeigneten Vergleichskriterien nicht, weswegen verstärkt die Abschlussnote des Bachelorstudiums in den Fokus rückt. Das klingt gut, das klingt fair – aber es ist tückisch!

Kampf um die Zehntelnote

Die Bachelor Studenten finden sich damit in einer Situation wieder, die zumindest diejenigen aus zulassungsbeschränkten Studiengängen schon aus der Schule kennen. Jede Nachkommastelle in der Abschlussnote kann die Lebensplanung über den Haufen werden. Jurastudenten kennen das seit Langem, Repetitorien sind daher längst ein lukrativer Markt für Juristen geworden. Und nicht zufällig gilt Jura schon lange als eines der Hauptarbeitsfelder der Ghostwriter. Ähnliches steht in nahezu allen Fächern jetzt bevor. Wohl und Wehe der Studenten hängt von jedem Notenbruchteil in der Bewertung der Bachelorarbeit ab. Und das, obwohl eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten in den Turbo-Studiengängen seit Bologna kaum mehr gelehrt wird. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach hilfreichen Geistern bei der Abschlussarbeit rapide ansteigt. Selbst ernannte „Coaches“ tauchen massenhaft im Web auf, Ghostwriter Agenturen werben im Kreis der bologna-gestressten Studenten unverhohlen um neue Kunden, wie man sich auf www.acad-write.com überzeugen kann. Und seien wir ehrlich: Dass diese Angebote auf zunehmendes Interesse stoßen, ist ebenfalls kein Wunder. Man mag es unterschiedlich bewerten, aber die Mehrzahl der Studierenden schließt sich mehr oder minder der oben geschilderten Auffassung des Hamburger Uni-Präsidenten an. Für sie ist der Bachelor kein vollwertiger Abschluss, sondern nur eine neu geschaffene Möglichkeit, sie mitten im Studium von der Uni zu werfen. Die Angst davor fördert offenbar die Bereitschaft, sich auch zweifelhafter Methoden zur Verbesserung der Noten zu bedienen.

Über Michael Bergler 683 Artikel
Mein Name ist Michael Bergler ich stamme aus Sachsen und habe seit 10 Jahren die Leidenschaft mich mit HTML, PHP, Bildbearbeitung und Perl zu beschäftigen. Seit 2011 lebe ich in Chemnitz und arbeite als Selbständiger in dem Bereich Informationstechnologie (IT), Büroservice und Telefonmarketing. In meinem Blog, online seit Dezember 2010, geht es um die Ausbildung zum IT-Systemkaufmann, Games und alles rund um den PC. Von daher lag es nah eine Umschulung 2006 – 2009 in dem Beruf IT-Systemkaufmann zu absolvieren, welche ich dann auch im Januar 2009 erfolgreich abgeschlossen habe. Ich bin in Leipzig geboren und in der Umgebung von Dresden aufgewachsen.

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