Software lokalisieren – sometimes läuft es falsch!

Software

Ich präsentiere euch heut einen Gastartikel von Christian Arno zum Thema Software & Webseitenübersetzung. Ein Thema was jeder Softwareentwickler oder Seitenbetreiber beachten sollte, sofern die Software oder Webseite in mehreren Sprachen betrieben wird.

Als kluger Software-Entwickler solltest du nicht nur deinen Heimatmarkt im Auge halten, wenn du Games oder andere Software entwickelst. Du solltest darüber nachdenken, welche Märkte du eventuell weltweit erobern könntest. Die Texte deiner Software kannst du dann natürlich ins Englische übersetzen lassen und hoffen, dass sich möglichst viele, die Englisch als Mutter- oder Zweitsprache sprechen, für den Kauf deiner Software entscheiden. Allerdings funktioniert das eher selten. Besser ist es, konkrete Länder ins Auge zu fassen und damit beginnen, die Software zu lokalisieren. Dann solltest du den Text in die jeweilige Landessprache übersetzen, weil die meisten Menschen Software in ihrer Muttersprache bevorzugen. Dabei bleibst du aber nicht stehen. Auch Bilder, Textstil, Videos und die Navigation gehören auf den Prüfstand.

¾ vom Text ist nicht genug

Lokalisierung von Software bedeutet, sie an Sprache und Kultur eines fremden Landes anzupassen. Das gelingt nur bei sorgfältiger Arbeit und diese Sorgfalt zeigt nicht jeder. Bisweilen stößt man bei lokalisierter Software deshalb auf grobe und sofort erkennbare Fehler. Wie sie entstehen? Einige Beispiele:

  • Übersetzung: Die korrekte Übersetzung ist die Basis für Erfolg einer lokalisierten Software im fremden Land. Mag ein einzelner Fehler vom Nutzer noch toleriert werden, wirkt eine Software mit gehäuften Übersetzungsfehlern auf jeden Fall unseriös und „billig“ im negativen Sinne. Im Netz kursieren einige Beispiele für misslungene Übersetzungen wie etwa „Daumennagel hochladen“, wobei „Daumennagel“ für das eingedeutschte Wort „thumbnail“ (kleines Vorschaubild) steht. So etwas sollte man sich bei der Lokalisierung von Software nicht leisten.
  • Textlänge: Manchmal wird die unterschiedliche Textlänge in verschiedenen Sprachen nicht berücksichtigt und niemand kontrolliert die lokalisierte Software am Ende nochmals. Dann wird Text von Textfeldern oder Buttons abgeschnitten. Bleiben wir einmal beim Beispiel „Englisch – Deutsch“. Das Englische „Print“ heißt im Deutschen „Drucken“ und hat damit bereits zwei Buchstaben mehr. Ein sehr knapp bemessener Button für das Wort „Print“ verschluckt also möglicherweise die letzten Buchstaben des Wortes „Drucken“. Je länger der zu übersetzende Text ist, desto eher kann die unterschiedliche Textlänge für überquellende Textfelder sorgen.
  • Sprachen, die einander nur ähnlich sind: Es gibt unter anderem US-amerikanisches, australisches und britisches Englisch, in Spanien und in Mexiko gesprochenes Spanisch, Portugiesisch in Portugal und in Brasilien. Viele Sprachen werden in mehr als einem Land gesprochen und dort auch verändert. „Football“ steht in Großbritannien für „Fußball“, in den USA aber für „American Football“ und damit für eine ganz andere Sportart. Software-Lokalisierer müssen so etwas beachten.
Der eine lacht, der andere ist beleidigt!

Manchmal sind Fehler in der Software-Lokalisierung weniger offensichtlich als bei den bereits genannten Beispielen. Das kann der Fall sein, wenn Inhalte kulturell nicht passen. Die Bedeutung von Bildern und Gesten, Humor, Vorlieben, Tabus – all das kann sich von Kultur zu Kultur unterscheiden. Auch hierzu einige Beispiele:

  • Gesten: Der hoch gestreckte Daumen ist in Deutschland ein Symbol für Zustimmung, in anderen Ländern wie Thailand aber eine beleidigende Geste. Je nach Land, kann auch das stilisierte „O“, bei dem sich die Spitzen von Daumen und Zeigefinger berühren, eine Beleidigung sein oder „OK“ heißen.

 

  • Navigation: In einigen Länden wird von rechts nach links geschrieben und gelesen. Dann gehört die Platzierung der Elemente einer Software (z.B. des Menüs) auf den Prüfstand, die ursprünglich für Menschen gestaltet wurde, die von links nach rechts lesen.
  • Humor: Witzige Elemente in einer Software werden nicht in allen Kulturen in gleicher Weise als witzig interpretiert. Auch Humor ist kulturspezifisch. Was in Deutschland gut ankommt, wird vielleicht in China als unangebracht empfunden.

Bei alledem gilt jedoch: Jede Kultur ist wandelbar und wird in einer globalisierten Welt besonders stark von anderen Kulturen beeinflusst. Was vielleicht gestern als beleidigend galt, ist heute eventuell OK. Man sollte mit der heutigen (!) Kultur eines Landes vertraut sein, wenn man Software für deren Bewohner lokalisiert. Darüber hinaus ist nicht jedes fremdartige Element in einer lokalisierten Software schlecht. Bei einem japanischen Game schätzen bisweilen auch deutsche Nutzer den japanischen Kontext des Spiels.

Man kann Lokalisierung vorbereiten

Die besten Voraussetzungen für eine Lokalisierung schaffst du bereits ganz zu Anfang eines Software-Projekts: wenn du die erste Version der Software für den heimischen Markt produzierst. Gut ist es etwa, Text in eine Datenbank auszulagern und einfließen zu lassen. Das erleichtert spätere Übersetzungen.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Übersetzung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.

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Mein Name ist Michael Bergler ich stamme aus Sachsen und habe seit 10 Jahren die Leidenschaft mich mit HTML, PHP, Bildbearbeitung und Perl zu beschäftigen. Seit 2011 lebe ich in Chemnitz und arbeite als Selbständiger in dem Bereich Informationstechnologie (IT), Büroservice und Telefonmarketing. In meinem Blog, online seit Dezember 2010, geht es um die Ausbildung zum IT-Systemkaufmann, Games und alles rund um den PC. Von daher lag es nah eine Umschulung 2006 – 2009 in dem Beruf IT-Systemkaufmann zu absolvieren, welche ich dann auch im Januar 2009 erfolgreich abgeschlossen habe. Ich bin in Leipzig geboren und in der Umgebung von Dresden aufgewachsen.

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